Manchmal scheint unser Kopf nicht gut zu funktionieren. Uns fallen in den unpassensten Momenten keine Namen ein, wir vergessen Geburtstage oder was wir noch einkaufen wollten.
Aber dabei vergessen wir, wie unglaublich unser Gehirn im Großen und Ganzen arbeitet und uns wie selbstverständlich alles Mögliche tun lässt.
Und unser Gehirn nimmt uns ernst.
Wenn wir uns die Frage stellen:
"Warum kann ich das schon wieder nicht?" und eigentlich auf die schmeichelhafte Antwort: "Wieso? Das hast du doch gut hinbekommen und sei nicht so streng zu dir!" hoffen, wird das nicht kommen.
Unser Gehirn prüft nun ernsthaft die Antwort auf die Frage: "Warum kann ich das schon wieder nicht?" und findet Antworten:
"Weil du eben zu ungeschickt bist." "Du bist wahrscheinlich zu alt, um das noch richtig zu lernen." "Du hast dich wieder mal nicht richtig durchgesetzt." und so weiter.
Und im Ergebnis fühlen wir uns noch schlechter als vorher.
Auch wenn wir uns vor Treffen mit anderen fragen: "Was regt mich bei dieser anderen Person auf?" erhalten wir fleißig unsere Antworten und sind hinterher überrascht, WIE sauer wir eigentlich auf diesen Menschen sind.
Gut, dass uns das noch rechtzeitig eingefallen ist! Wo wir doch so oberflächlich betrachtet fanden, dass wir ihn mögen!!
Würden wir uns die Frage stellen: "Was schätze ich an diesem Menschen?" gäbe es genauso gewissenhaft Antworten und hinterher hätten wir das Gefühl, dass wir uns sehr glücklich schätzen können, ihn in unserem Leben zu haben.
Wenn Vorgesetzte in Mitarbeitergesprächen sagen: "Sagen Sie ganz offen, was Sie alles stört und was Ihnen fehlt!" wird es entsprechende Antworten geben.
Sogar die simple Frage: "Geht es dir gut?" aktiviert andere Prozesse als die Frage: "Geht es dir grade schlecht?"
Man sollte meinen, dass sich das Wohlbefinden eines Menschen nicht mit so einer Frage ändert, es ihm also genauso gut oder schlecht wie vor der Frage geht, aber tatsächlich wird sich die Person hinterher anders fühlen, weil wir die Wahrnehmung auf andere Dinge gelenkt haben.
Also nutze das für dich!
Frage dich viel öfter:
- Was mag ich an diesem Menschen? (Ob es sich um den Nachbarn, den Liebsten, die Kollegin oder den Schwager handelt ist völlig egal.)
- Was habe ich in dieser schwierigen Situation, die vielleicht nicht so optimal ausgegangen ist, richtig gemacht? Wo ist mein Potential, es das nächste Mal noch besser zu machen?
- Was kann ich richtig gut?
- Worauf bin ich stolz?
- Worauf kann ich mich heute/ diese Woche/ diesem Monat freuen?
- Was war heute an meinem Tag gut?
"Wie kann ich das lösen?" setzt viel kreativere Prozesse im Hirn frei als "Welches Problem habe ich?"
Wenn du ansonsten ein strenger innerer Chefkritiker von dir selbst bist, versuche doch mal, bevor du wieder Gericht über dich hältst, die Fragen an dich anders zu formulieren.
Und freue dich über die Antworten.
Dein Gehirn weiß schon, was du alles toll kannst. Es will nur danach gefragt werden.