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"Luke, ich bin dein Vater" oder wie Wirklichkeit funktioniert

Endlich mal wieder einen alten Film gucken, man kennt ihn zwar schon, aber das macht nichts. Und, jetzt, passiert es gleich: Darth Vader sagt einen der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte: "Luke, ich bin dein Vater!!"! Nanu? Was ist denn da los? Der sagt ja "Nein, ich bin dein Vater"? Habe ich mich da verhört?

 

Nun, Darth Vader sagt tatsächlich "Nein" statt "Luke" und damit sind wir in der faszinierenden Welt der Wirklichkeit angekommen.

 

Du warst dir eigentlich total sicher, was da im Film gesagt wird. Du hättest es schwören können!

 

(Ok, du bist echter Star Wars Fan und wusstest, wie das Original geht, dann passiert dir das vielleicht bei einem anderen Film.)

 

Das, was im Film für alle überprüfbar gesagt wird, ist ein Beispiel für WIRKLICHKEIT.

Das, an was wir uns zu erinnern glaubten, ist ein gutes Beispiel für WAHRHEIT. Nämlich unsere Wahrheit. 

 

Nun ist der Satz "Luke, ich bin dein Vater" total berühmt, es gibt T-Shirts und Tassen mit Aufdrucken, Millionen Menschen werden sich genau daran erinnern können, dass der SO gesagt wurde.

Es macht eine falsche Wirklichkeit aber nicht wahrer, wenn sie von sehr vielen Menschen mit Überzeugung geteilt wird.

 

Nun haben wir sehr häufig nicht den Luxus, dass wir überprüfen können, ob unsere Wahrheit und die Wirklichkeit übereinstimmen. 

Aber wir sind absolut überzeugt davon, dass wir richtig liegen. Wir haben sogar eine glasklare Erinnerung an etwas. 

 

Und dann kommt jemand und hat seine Wahrheit und ist genauso überzeugt davon und wir diskutieren uns heiß. Jeder ist nur noch dabei, den anderen zu überzeugen, dass die eigene Wahrheit DIE WAHRHEIT, nämlich die Wirklichkeit ist.

 

Vielleicht haben sogar beide unrecht. 

 

Manchmal sind wir sogar immer noch überzeugt, recht zu haben, wenn uns die Wirklichkeit präsentiert wird und eigentlich deutlich wird, dass wir falsch lagen.

Dann werden wir denken, in dem Film, den ich damals gesehen habe, wurde das dann halt anders gesagt. Und jetzt ist der nochmal überarbeitet worden. 

 

Nun ist es sehr verunsichernd für uns, wenn wir ständig unsere Wahrheit in Frage stellen. Aber es hilft schon, sich an den heutigen Artikel zu erinnern und bei manchen Diskussionen zu überlegen: Ja, ich bin überzeugt davon, aber ich weiß auch, dass es sein kann, dass ich mich irre. 

Dann werden Gespräche einfach viel produktiver und vor allem viel weniger konfrontativ. 

 

Aber warum hat sich dieses Meme, dass "Luke, ich bin dein Vater" gesagt wird, so verbreitet?

Ich weiß es nicht, aber im englischen Original nuschelt Darth Vader das "NO" dermaßen, dass es gut sein kann, dass viele ein "LUKE" verstanden haben. Zumal es auch Sinn gemacht hätte, bei so einer entscheidenden Information die persönlichste aller Anreden, nämlich den Vornamen, voranzustellen. 

 

Und eine Wahrheit, die plausibel erscheint, wird gerne angenommen und verbreitet sich dann schnell.

 

Was sie trotzdem nicht zur Wirklichkeit macht.